ISO 9001 · Kapitel 9 · 9.2

Das interne Audit

In einfachen Worten

Ein internes Audit heißt: Sie prüfen selbst, ob das, was in Ihrem QMS steht, im Alltag wirklich gelebt wird — und ob es wirkt. Geplant (es gibt ein Programm), unparteiisch (niemand beurteilt die eigene Arbeit), festgehalten (es gibt einen kurzen Bericht) und mit Konsequenzen (aus Abweichungen werden Maßnahmen).

Zwei Missverständnisse gleich vorweg. Erstens: Ein Audit prüft Prozesse und das System, nicht Menschen. Es geht um „funktioniert unser Ablauf?“, nie um „wer hat Schuld?“. Zweitens: Ein internes Audit ist keine Prüfung im Schulsinn, sondern ein strukturiertes Gespräch am Arbeitsplatz — eine gute Stunde, echte Aufträge, offene Fragen: „Zeigen Sie mir den letzten Auftrag. Wie haben Sie gewusst, was zu tun ist? Wo hakt es?“

Die Klausel, vor der kleine Unternehmen am meisten Respekt haben, ist im Kern das gesunde Gegenteil von Bürokratie: regelmäßig ehrlich hinschauen, bevor es ein anderer tut.

Warum es diese Anforderung gibt

Das interne Audit ist das Frühwarnsystem des QMS. Abweichungen, die Sie selbst finden, kosten ein Gespräch und eine Maßnahme; Abweichungen, die der Kunde oder die Zertifizierungsstelle findet, kosten Vertrauen.

Dazu kommt die Betriebsblindheit: Wer jeden Tag im selben Ablauf arbeitet, sieht dessen Lücken irgendwann nicht mehr. Der Blick über Kreuz — jemand aus einem anderen Bereich schaut mit frischen Augen — findet die Stellen, an denen „das machen wir immer so“ und „so steht es im Prozess“ auseinandergelaufen sind. Ohne Klausel 9.2 erführe die Leitung nur aus Reklamationen, ob das System trägt. Mit ihr erfährt sie es vorher.

Wie „gut“ aussieht

In einem Unternehmen mit 12 Personen: ein Jahresprogramm auf einer Seite — welche Prozesse, in welchem Monat, durch wen. Jeder Prozess kommt mindestens einmal im Zyklus dran (üblich: jährlich), kritische oder auffällige öfter. Zwei geschulte interne Auditoren genügen; ein ein- bis zweitägiger Kurs reicht für den Start völlig. Geprüft wird über Kreuz: Wer einen Bereich verantwortet, auditiert ihn nicht.

Ein einzelnes Audit dauert 60–90 Minuten am Arbeitsplatz, mit fünf, sechs Leitfragen statt einer Ja/Nein-Liste. Danach ein kurzer Bericht: was angeschaut wurde, was gut läuft (auch das gehört hinein), was abweicht — und zu jeder Abweichung eine Korrekturmaßnahme mit Verantwortlichem und Termin. Die Ergebnisse landen gesammelt in der Managementbewertung.

Was sich mit Wachstum ändert: Ab etwa 50 Personen trägt ein Auditorenpool von vier bis sechs Personen das Programm, und die Frequenz wird risikobasiert gestaffelt — kritische Prozesse häufiger, stabile seltener. Ab 100–250 Personen plant typischerweise eine eigenständige QM-Rolle das Programm, Audits werden kombiniert (Qualität zusammen mit Arbeitssicherheit oder Umwelt), und gelegentlich holt man externe Auditoren für Unabhängigkeit und neue Impulse dazu. Der Kern bleibt: über Kreuz, am echten Auftrag, mit Konsequenzen.

Minimum zum Bestehen

Ein einzelnes Audit zwei Wochen vor dem Zertifizierungstermin erfüllt das nicht: Es ist der Beleg für ein fehlendes Programm, nicht für ein vorhandenes.

Was ein Auditor sehen will

Typische Fehler

Beispiel

Die Berger Präzisionsteile GmbH (12 Personen, CNC-Fertigung) verteilt fünf Bereiche über das Jahr: Auftragsabwicklung, Fertigung, Prüfmittel und QS, Einkauf, Führung. Lea aus der Qualitätssicherung auditiert Fertigung und Einkauf; Produktionsleiter Marco auditiert Auftragsabwicklung, Führung und den Bereich Prüfmittel und QS — Leas eigenen, den sie darum nicht selbst prüft; beide haben eine eintägige Auditorenschulung besucht. Das ganze Programm passt auf eine halbe Seite.

Das Fertigungs-Audit im März dauert 90 Minuten, sechs Leitfragen, am laufenden Auftrag. Dabei fällt auf: Die Rüstblätter der neuen 5-Achs-Maschine sind teilweise veraltet — der erfahrene Werker arbeitet nach Kopfwissen. Heute funktioniert das; beim nächsten Personalwechsel bricht es. Die Feststellung wird ohne Schuldfrage notiert, die Korrekturmaßnahme lautet: Rüstblätter aktualisieren und einen Änderungsdienst festlegen — wer gibt geänderte Blätter künftig frei? Termin Ende April, Wirksamkeitsprüfung im nächsten Audit. Daneben hält der Bericht ausdrücklich fest, dass die Prüfmittelüberwachung vorbildlich gelebt wird.

Der Bericht umfasst anderthalb Seiten. Im Juni stehen beide Punkte in der Managementbewertung: die geschlossene Kette zur Rüstblatt-Abweichung — und das Lob, das im Team mehr für die Auditkultur getan hat als jede Schulung.

So deckt easo das ab

Klausel 9.2 ist eine Zeile im Readiness-Nenner — der Nachweis ist Ihr gelebtes Auditprogramm mit seinen Berichten und Maßnahmen. In easo ist das interne Audit ein durchgängiger Ablauf, kein Formularstapel:

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